Warum ist eine Verrechnung in der unternehmerischen CO2-Bilanz nicht zulaessig?
3 min read3pmetrics

Warum ist eine Verrechnung in der unternehmerischen CO2-Bilanz nicht zulaessig?

Eine der haeufigsten Fragen in der unternehmerischen CO2-Bilanz lautet: "Wir haben in Solarpaneele investiert. Koennen wir den erzeugten Strom nicht vom verbrauchten Strom abziehen?" Auf den ersten Blick wirkt das plausibel: auf der einen Seite Verbrauch, auf der anderen saubere Erzeugung. In der Kohlenstoffbilanzierung ist ein direktes Gegeneinanderrechnen dieser Werte jedoch keine zulaessige Verrechnung. In diesem Beitrag erklaeren wir, warum das den Grundprinzipien der Carbon Accounting nicht entspricht - am Beispiel von Netzstrom und erneuerbarer Erzeugung.

Netzstrom und Scope 2: Zertifikate sind keine Verrechnung

Strombezug aus dem Netz verursacht Ihre Scope-2-Emissionen. Sie verbrauchen den Strom, aber die Emissionen entstehen im Kraftwerk. Bei der Bilanzierung gibt es zwei Methoden: standortbasiert und marktbasiert. Die standortbasierte Methode nutzt den durchschnittlichen Emissionsfaktor des Stromnetzes. Die marktbasierten Werte koennen durch zertifizierte erneuerbare Strombeschaffung (z. B. YEK-G oder I-REC) mit einem Emissionsfaktor von null angesetzt werden.

Wichtig ist die Unterscheidung: Ein Zertifikat ist kein Verrechnungsinstrument. Zertifikate loeschen keine Emissionen an anderer Stelle, sondern belegen die Herkunft des verbrauchten Stroms. Zertifizierter Strombezug kann regelkonform sein, das Abziehen fremder Carbon Credits innerhalb der Inventarsumme hingegen nicht.

Eigenerzeugter Strom: Wann er reduziert - und wann nicht

Wenn Sie den auf Ihrer Dach-PV-Anlage erzeugten Strom direkt selbst verbrauchen, sinkt die aus dem Netz bezogene Strommenge. Dadurch sinken auch Ihre Scope-2-Emissionen.

Das ist keine Verrechnung. Hier wird ein Teil des Verbrauchs durch eigene erneuerbare Erzeugung statt durch Netzstrom gedeckt.

Anders ist die Bewertung, wenn der erzeugte Strom ins Netz verkauft wird.

Beispiel: Eine Organisation verbraucht jaehrlich 1.000 MWh Netzstrom, erzeugt 400 MWh in ihrer PV-Anlage und verkauft die gesamte Erzeugung ins Netz. Dann bleibt der Stromverbrauch der Organisation 1.000 MWh, und Scope 2 wird auf Basis dieses Verbrauchs berechnet.

Wenn der finanzielle Ertrag aus dem Stromverkauf genutzt wird und zugleich der gleiche Klimanutzen von den eigenen Emissionen abgezogen wird, entsteht das Risiko einer mehrfachen Anrechnung derselben Umweltwirkung. Dieses sogenannte Double Counting ist in der CO2-Buchhaltung strikt untersagt.

Was ist der richtige Ansatz?

Fuer unternehmerische CO2-Bilanzen lassen sich drei Grundprinzipien zusammenfassen:

Erstens: Emissionen brutto messen und berichten. Zweitens: Eigene erneuerbare Erzeugung und zertifizierte Strombezuege mit der korrekten Bilanzierungsmethode im Inventar abbilden. Drittens: Ausgleichsmassnahmen wie Carbon Credits in einem separaten Abschnitt ausweisen.

Dieser Ansatz sorgt fuer transparente Emissionsdarstellung, korrekte Bilanzierung erneuerbarer Energie und eine klare Trennung zwischen Ausgleich und Reduktion. So werden Berichte sowohl standardkonform als auch pruefungsfaehig.

Wenn Sie Unterstuetzung bei Ihrer unternehmerischen CO2-Bilanz, ISO-14064-1-Verifizierungen oder Scope-2-Strategien benoetigen, kontaktieren Sie das Team von 3pmetrics.

Serdar Yaşar
3pmetrics Sürdürülebilirlik Danışmanı

Tags

  • Unternehmerische CO2-Bilanz
  • GHG Protocol
  • ISO 14064-1
  • Scope 2
  • YEK-G
  • I-REC